13.06.2018 16:52 Alter: 67 days

Große Erfolge für Vorarlberg bei der Staatsmeisterschaft 2018 in Wolfurt


Elisa Hämmerle, Ceren Kaya, Linda Chai, Marlies Männersdorfer und Tamara Stadelmann: die VTS-Turnerinnen siegte im Team-Bewerb und holten zahlreiche weitere Medaillen.

Matthias Schwab, Loren Rüf, Roman Oberhauer, Fabio Sereinig und Max Tamegger: Sieg im Team-Bewerb. Einzel Gold gab es für Matthias Schwab (Ringe) und Fabio Sereinig (Reck).

Die 121 besten Turnerinnen und Turner Österreichs ermittelten am 23. und 24. Juni in der Wolfurter Hofsteigsporthalle die Staatsmeister der Junioren- Elite und Allgemeinen Klassen. Vertreten waren alle neun Bundesländer, alle Leistungszentren und 43 Vereine des Österreichischen Turnverbandes.

Zu den Ergebnissen

Zu den VTS-Fotos (c) B. Reis

 

ÖM-Analyse von Kunstturn-Fachwart Thomas Bachmann, TURNERINNEN:

 Österreichische Mannschafts- + Einzelstaatsmeisterschaften am 23./24.6. in Wolfurt

Besser hätte die VTS-Bilanz der Turnerinnen wohl kaum ausfallen können: Gold im Team, Gold im Mehrkampf der Elite, 2 x Finalgold sowie eine souveräne Dominatorin im Juniorinnenbewerb – mehr geht (fast) nicht…

In der Mannschaftswertung wurden alle vier Geräte gewonnen (am Stufenbarren lagen Marlies Männersdorfer, Elisa Hämmerle, Tamara Stadelmann, Ceren Kaya und Linda Chai nicht weniger als 7 (!) Punkte voran – und das, obwohl Christina Wegscheider kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen war); am Ende gab’s einen Rekordvorsprung von beinahe 11 Punkten und eine Machtdemonstration des Ländle-Quintetts.

Im Mehrkampf profitierte Marlies von den Unsicherheiten der Co-Favoritin Jasmin Mader am Sprung und verteidigte ihren Staatsmeistertitel vom Vorjahr erfolgreich. Zudem holte sie sich in den Finalbewerben die Silbermedaille am Schwebebalken und die Bronzene am Boden. Elisa Hämmerle durfte sich sogar über eine hundertprozentige Ausbeute freuen: Nachdem sie letztes Jahr nur am Stufenbarren geturnt hatte (und prompt mit Staatsmeisterschaftsgold belohnt wurde), entschied sie sich heuer zusätzlich für ein Antreten am Schwebebalken – und ging mit 2 x Gold nachhause! Jetzt heißt es im Hinblick auf die EM im August sowie die WM im November noch am Sprung und Boden an die Leistungen vor dem Achillessehnenriss anzuknüpfen und dann darf man gespannt sein, wo Elisa punktemäßig im Mehrkampf zu finden sein wird.

Tamara Stadelmann hatte leider eine verturnte Balkenübung zu verzeichnen, womit der letztjährige Überraschungserfolg mit Platz 3 im Mehrkampf außer Reichweite lag. Mit Platz 5 zählt sie aber nach wie vor zu den Anwärterinnen auf ein EM-Ticket.

Im Juniorinnenbewerb gab’s eine Machtdemonstration von Ceren Kaya: Im Mehrkampf deklassierte sie das Teilnehmerinnenfeld und lag um 2,5 Punkte voran, im Finale holte sie sich 3 x Gold am Sprung, Balken und Boden sowie Bronze am Stufenbarren. Linda Chai belegte im Mehrkampf Platz vier und qualifizierte sich zudem für die Finalbewerbe am Sprung und am Boden, womit sie nach wie vor zum erweiterten Kreis der Junioren-EM-Kandidatinnen zählt.

In Summe also eine sehr starke Vorstellung unserer Kaderturnerinnen, die im Hinblick auf die bevorstehende EM- und Junioren-EM-Nominierung hoffen lässt, dass die VTS in Glasgow stark vertreten sein wird!

 

Zwei Hinweise: In ORF Sport plus wird am 30.6. von 21.00 Uhr – 23.00 Uhr eine umfangreiche Berichterstattung der diesjährigen Staatsmeisterschaften zu sehen sein. 

 

ÖM-Analyse von Kunstturn-Fachwart Thomas Bachmann, TURNER:

 

Das Wichtigste vorweg: Die Bilanz der diesjährigen Staatsmeisterschaften fällt aus VTS-Sicht durchwegs positiv aus! Der Mannschafts-Titel (in der Besetzung Matthias Schwab, Maximilian Tamegger, Roman Oberhauser, Fabio Sereinig, Lorenz Rüf) konnte souverän verteidigt werden, obwohl aus dem letztjährigen Siegerteam nur Matthias und Lorenz am Start waren und mit Matthias und Maximilian auch nur zwei Turner einen Mehrkampf absolvierten.

In der Einzelwertung der Eliteturner musste Matthias nach einigen Unsicherheiten zwar mit Platz drei vorlieb nehmen und konnte somit seine Favoritenrolle nach zwei gewonnenen EM-Qualifikationswettkämpfen leider nicht nach Wunsch ausspielen. Dafür rehabilitierte er sich zumindest mit dem Einzeltitel an den Ringen – und das, obwohl er sich gerade mal als Fünfter fürs Finale qualifiziert hatte – sowie Platz drei am Boden.

Max turnte einen sehr starken Mehrkampf, konnte sich gegenüber den beiden EM-Qualifikationen punktemäßig deutlich steigern und verpasste Platz drei um weniger als 0,5 Punkte. Roman erreichte am Samstag mit vier geturnten Geräten das ÖFT-B-Kaderlimit der Eliteturner; zudem wiederholte er seinen Erfolg vom Vorjahr mit Platz drei an den Ringen. Lorenz gelang die Barrenübung (mit dem höchsten D-Wert des gesamten Teilnehmerfelds) am Samstag schon sehr gut. Leider konnte er seine Finalplatzierung am Sonntag nicht wie gewünscht nutzen und musste sich mit Platz fünf begnügen.

Das emotionale Highlight des Wettkampfwochenendes gelang aber Fabio: Zunächst hatte er sich aufgrund einer falsch ermittelten D-Note gar nicht fürs Reckfinale qualifiziert, dann rutschte er nach der Wertungskorrektur nachträglich ins Finalfeld und holte sich dort 52 Jahre nach dem letzten Staatsmeisterschaftsgold im Wolfurter Männer-Kunstturnen den Titel am Reck!

Bei den Junioren gelang Elias Mayer der mit Abstand beste Mehrkampf dieses Frühjahrs: Seine 71,533 Punkte brachten ihm die Silbermedaille, das ÖFT-B-Kaderlimit im Juniorenbereich sowie eine deutlich verbesserte Ausgangslage im Hinblick auf die Junioren-EM-Nominierung! Joel Jauk gelang bei seiner ersten Junioren-Staatsmeisterschaft gegen großteils ältere Gegner der hervorragende fünfte Platz im Mehrkampf. Im Finale gab’s als Zugabe zwei Mal Bronze am Seitpferd und an den Ringen.

David Bickel belegte Platz 8 im Mehrkampf und qualifizierte sich für nicht weniger als vier Gerätefinali, wobei er sich am Reck mit Platz 3 über seine erste Einzelmedaille bei einer Junioren-Staatsmeisterschaft freuen durfte. Gino Vetter musste seine durchaus berechtigten Medaillenhoffnungen im Mehrkampf nach einer völlig verturnten Seitpferdübung zwar frühzeitig begraben, mit Platz 2 am Reck und Platz 3 am Barren gab’s am Sonntag aber doch noch zwei Erfolgserlebnisse zu feiern. Und auch in der allgemeinen Juniorenklasse war die VTS am Stockerl: Ben Schneider holte sich hier Platz 2, Mateo Fraisl belegte in derselben Klasse als einer der Jüngsten im Feld Platz 7.

 

ÖFT-Bericht (Robert Labner) der Mehrkämpfe vom Samstag:

Marlies Männersdorfer und Johannes Mairoser sind die Kunstturn-Mehrkampf-Staatsmeister 2018.

Die Mannschafts-Staatsmeistertitel gehen bei Frauen wie Männern an Gastgeber Vorarlberg.

Marlies Männersdorfer verteidigte ihren Mehrkampf-Staatsmeistertitel im Kunstturnen aus 2017 erfolgreich. Die Wahl-Vorarlbergerin setzte sich am 23. Juni in Wolfurt in einem hochklassigen und spannenden Bewerb vor der 2016er-Meisterin und Vorjahreszweiten Jasmin Mader (T) durch. Bei den Männern war es umgekehrt. Hier entthronte der 2016er-Meister und Vorjahresvize Johannes Mairoser (T) mit sechs fehlerfreien Küren Alexander Benda (St) und verwies ihn auf den zweiten Platz.

Marlies Männersdorfer strahlte nach dem Erfolg: „Ich habe meine Übungsschwierigkeiten seit dem letzten Jahr voll aufgestockt – das ist bis auf den Balken auch voll aufgegangen, daher bin ich zufrieden. Jetzt möchte ich bis zur Europameisterschaft noch das eine oder andere Detail in der Ausführung verbessern.“ Die 20-jährige HSZ-Sportsoldatin steckte gleich zum Auftakt einen Absteiger vom Schwebebalken routiniert weg, brillierte im Anschluss an jedem Gerät.

Vizemeisterin Jasmin Mader hatte einen neuen schwierigeren Sprung im Programm, dessen Landung allerdings misslang – weshalb sie nicht an ihre Bestleistung heran kam. Bianca Frysak aus Wien folgte mit Respektabstand, freute sich mit Bronze über ihre zweite Mehrkampfmedaille nach 2016. Im Teambewerb erwiesen sich die Vorarlberger Lokalmatadorinnen als überlegen, setzten sich deutlich vor Wien und Tirol durch.

Johannes Mairoser setzte sich die Kunstturner-Mehrkampfkrone zum zweiten Mal nach 2016 auf. Der erst 20-jährige Innsbrucker freute sich im Anschluss „extrem. Es war wirklich nicht einfach, heute vorne zu liegen. Es war für den Sieg notwendig, sturzfrei durchzukommen, das ist mir gelungen. Ich bin in den letzten Wochen immer besser in Schuss gekommen und hoffe jetzt, dass der Aufwärtstrend bis zur EM im August weiter anhält.“

Alexander Benda (St) patzte am Pauschenpferd, das kostete ihn die Titelverteidigung. Matthias Schwab (V), der Sieger aus 2012 vergab seine zuvor hoch eingeschätzten Chancen am Pferd, ein weiterer Fehler am Reck bedeutete für ihn schließlich Rang 3. Zwei weitere Mehrkampf-Sieger der jüngeren Vergangenheit, Severin (2013) und Lukas Kranzmüller (2014) ließen im 21-köpfigen Feld jeweils ein Gerät aus und kamen daher nicht in die Wertung. Hinter Männer-Mannschafts-Staatsmeister Vorarlberg entschieden nur 55 Hundertstelpunkte zugunsten Oberösterreichs und gegen Tirol um Platz 2.

ÖFT-Bericht der Geräte-Finale:

Kunstturn-Staatsmeisterschaft: Neun verschiedene Geräte-Finalsieger/innen.

Jeder der sechs Männerbewerbe an einen anderen Sieger.

Am 24. Juni fanden in Wolfurt die Gerätefinali der Kunstturn-Staatsmeisterschaft 2018 statt. Bei den Männern ging jeder der sechs Bewerbe – nach 2014 erst zum zweiten Mal in der ÖFT-Geschichte – an einen anderen Sieger. Bei den Frauen gelang es nur Vorarlbergs Lokalmatadorin Elisa Hämmerle, zwei Geräte für sich zu entscheiden. Dies wird von den Experten als starkes Signal im Hinblick auf die hohe Leistungsdichte an der österreichischen Kunstturn-Spitze gesehen.

Die Kunstturn-Staatsmeister/innen 2018: Elisa Hämmerle (V, Stufenbarren, Schwebebalken), Jacqueline Kotrnetz (NÖ, Sprung), Jasmin Mader (T, Boden), Marlies Männersdorfer (V, Mehrkampf), Alexander Benda (St, Boden, 2017 5x Sieger, heuer nur eine geglückte Titelverteidigung), Daniel Kopeinik (Pauschenpferd), Severin Kranzlmüller (OÖ, Barren), Johannes Mairoser (T, Mehrkampf, Sprung), Matthias Schwab (V, Ringe), Fabio Sereinig (V, Reck).

Insgesamt war Vorarlberg bei dieser Heim-Staatsmeisterschaft das klar erfolgreichste Bundesland. Doch am anderen Ende Österreichs gibt es ebenfalls Grund zu feiern: Mit Alissa Mörz‘ Silber im Sprungbewerb ging erstmals überhaupt eine Elite-Staatsmeisterschafts-Medaille in das Burgenland.

Darüber hinaus jubelte die gastgebende Turnerschaft Wolfurt: Ganz zum Schluss im Finale am Reck wurde eine makellose Organisationsleistung durch den Sieg von Lokalmatador Fabio Sereinig auch sportlich belohnt. Es war dies der erste Männer-Staatsmeistertitel für die TS Wolfurt seit Egon Waibel – er war anwesend – damals am Pferd im Jahr 1966.