24.09.2019 14:25 Alter: 55 days

Elisa Hämmerle schafft bei der WM die Kunstturn-Olympia-Qualifikation


Elisa Hämmerle erbrachte in Stuttgart die Qualifikatkion für Olympia in Tokio.

Elisa Hämmerle hat ihr großes Ziel erreicht: Die 23-jährige seit einigen Monaten in Holland trainierenden Lustenauerin qualifizierte sich bei der Kunstturn-Weltmeisterschaft bereits fix für die Olympischen Spiele: „Ich bin riesig erleichtert, es fühlt sich fast unwirklich an, dass endlich einmal ein sportlicher Plan von mir voll aufgegangen ist.“

Neben den zwölf Ländern, die sich am Freitag und Samstag bei der WM in Stuttgart ihren Team-Quotenplatz sicherten, holte sich Hämmerle den 14. der ebenfalls vergebenen 20 Einzel-Mehrkampf-Startplätze für Tokio 2020. Ihre Olympia-Qualifikation gelang also letztendlich souverän und ungefährdet.

Für London 2012 war es sich sportlich knapp nicht ausgegangen. Bei der entscheidenden Qualifikation für Rio 2016 hatte sich Hämmerle einen Achillessehnenriss zugezogen. Doch nun beim dritten – hart erkämpften – Anlauf klappte es endlich für die 19-fache Staatsmeisterin und 4-fache Weltcup-Medaillengewinnerin, die schon 2010 im Jugend-Olympia-Finale gestanden war: „Ich wollte stärker zurück kommen, als vor meiner Verletzung. Doch nach dem Achillessehnenriss wieder auf Topniveau Boden und Sprung trainieren zu können, war sehr harte Arbeit. Nicht zuletzt, was die Motivation betrifft. Doch die ist jetzt natürlich längst wieder voll da.“

Das lange, mehr als eintägige, Warten nach ihrem eigenen Wettkampfende auf die endgültige Entscheidung gestaltete sich für Elisa Hämmerle besonders nervenaufreibend: „In den letzten Jahren glich meine Karriere einer Achterbahn. Und heute bin ich auf dem großen Volksfest neben der WM-Halle in Wirklichkeit Achterbahn gefahren, um die Zeit bis zur Entscheidung zu überbrücken. Und alle paar Minuten habe ich in den Online-Ergebnissen nachgesehen, wie es steht. Als dann rechnerisch feststand, dass nichts mehr dazwischen kommen kann, konnte ich es trotzdem fast nicht glauben.“

Würde man Elisa Hämmerle hypothetisch aus der Einzel-Olympia-Qualifikationsrechnung herausstreichen (maximal ein Startplatz pro Land), läge Jasmin Mader in dieser Wertung als 19. ebenfalls unter den Top 20. Für die Innsbruckerin ist das doppelt ärgerlich und enttäuschend. Allerdings lebt ihre Olympiachance dadurch noch. Sie käme jedoch nur zum Zug, falls Hämmerle ausfallen sollte.

 

 Vorschau-Text zur WM in Stuttgart:

Kunstturn-WM-Aufgebot nominiert: Drei Frauen und drei Männer kämpfen um die Olympia-Quotenplätze.

Nach Abschluss der Qualifikationsphase nominierte der Österreichische Fachverband für Turnen (ÖFT) nun sein Aufgebot für die Kunstturn-Weltmeisterschaft vom 4. bis 13. Oktober 2019 in Stuttgart. Die je drei das volle Kontingent ausschöpfenden Mehrkampf-Startplätze bei Frauen wie Männern erhalten Elisa Hämmerle (V), Jasmin Mader (T) und Marlies Männersdorfer (V), Alexander Benda (St), Vinzenz Höck (St) und Matthias Schwab (V). Das ÖFT-Hauptziel bei der WM: Je ein maximal möglicher Olympia-Mehrkampf-Quotenplatz bei den Frauen wie Männern.

Das gegenüber Rio 2016 deutlich veränderte Olympia-Qualifikations-Reglement des Kunstturnens ist noch komplizierter geworden. Die Hälfte der je 98 Tokio-Tickets bei Frauen wie Männern geht an die besten zwölf Teams (aus diesem Team-Rennen ist Österreich bereits bei der WM 2018 ausgeschieden). Von der verbleibenden anderen Hälfte werden bei der WM in Stuttgart zwölf bei den Männern und 20 bei den Frauen, dabei maximal einer pro Land, fix an die besten Mehrkämpfer/innen vergeben

Auf diese Mehrkampf-Quotenplätze – bei den Frauen die Addition aller vier Gerätewertungen, bei den Männern aller sechs Geräte – richtet sich der Fokus des ÖFT. Doch da das Rennen um die Olympiatickets nach verschiedenen weiteren Kriterien (anbei) bis in den Mai 2020 und teilweise rückbezüglich läuft, könnte auch erst dann feststehen, ob eine WM-Leistung 2019 für das Startrecht in Tokio 2020 gereicht hat.

Realistische Chancen auf Tokio-Tickets

Bei Österreichs Frauen fiel die WM-Nominierungsentscheidung eindeutig. ÖFT-Kunstturnerinnen-Sportdirektorin Eva Pöttschacher: „Elisa Hämmerle, Jasmin Mader und Marlies Männersdorfer überzeugten mit hervorragenden Leistungen. Wir können voll Zuversicht in die WM und mit realistischen Chancen für alle drei in die Olympia-Qualifikation gehen. Jetzt gilt es, weiter zu optimieren, insbesondere bei den gymnastischen Elementen am Schwebebalken und Boden.“

Der Tag X für Österreichs WM-Turnerinnen in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Arena ist der Freitag, 4. Oktober 2019 von 15:30 bis 17:30 Uhr. Die endgültigen WM-Platzierungen werden allerdings erst tags darauf am späten Abend des 5. Oktober nach Abschluss des WM-Auftritts aller 275 Turnerinnen aus 93 Ländern feststehen. Bianca Frysak (W), die heuer an der EM und den European Games teilnahm, scheiterte in der ÖFT-internen Qualifikation mit 2x Platz 4 deutlich. Sie wird allerdings als mögliche Ersatzfrau die weitere WM-Vorbereitung mitmachen.

Knappe Entscheidung bei den Männern.

Bei den Männern war Ringe-Spezialist und Universiade-2019-Silbermedaillengewinner Vinzenz Höck bereits seit Längerem für die WM fix. Dennoch wird Höck in Stuttgart erstmals seit vier Jahren bei einem Großereignis wieder den kompletten Mehrkampf absolvieren. Denn die Olympia-Qualifikationschance scheint etwas paradoxer Weise über diesen Weg größer, als über Höcks Ringe-Ausnahmekönnen. Der 23-jährige Grazer weiß jedoch auch als Allrounder zu überzeugen und entscheid beide ÖFT-internen WM-Qualifikationswettkämpfe für sich.

Ebenfalls unangefochten sicherte sich Alexander Benda seinen WM-Startplatz. Um das dritte Ticket war das Rennen zwischen Matthias Schwab und Severin Kranzlmüller (OÖ) hingegen extrem knapp. ÖFT-Kunstturner-Sportdirektor Fabian Leimlehner: „Schlussendlich haben Nationaltrainer Petr Koudela und ich Schwab von der Sporgemeinschaft Götzis wegen seines deutlich höheren Schwierigkeitsgrades den Vorzug gegeben. Kranzmüller wird die weitere Vorbereitung als Ersatzmann mitmachen. Ich bin mit userem aktuellen Status quo sehr zufrieden und erwarte einen spannenden Kampf unserer drei Athleten um das Olympiaticket.“

Der WM-Einsatz der österreichischen Turner findet am Sonntag, 6. Oktober von 10 bis 13 Uhr statt. Die Platzierungen werden allerdings erst nach dem Wettkampf aller 297 WM-Turner am späten Abend des 7. Oktober fest stehen.(Quelle: ÖFT)