23.10.2020 15:32 Alter: 43 days

Österreichische Staatsmeisterschaften Rhythmische Gymnastik 2020


Da im Frühjahr 2020 nicht an Wettkämpfe zu denken war und die Gruppenstaatsmeisterschaft für dieses Jahr ersatzlos gestrichen werden musste, konnten die Einzelstaatsmeisterschaften nur unter besonderen Bedingungen durchgeführt werden:

Von 23.-26. Oktober fanden daher sowohl die Jugend- als auch die Juniorinnen- und Elitemeisterschaft im Bundesleistungszentrum Wien Stadlau statt. Das war nur unter Umsetzung eines äußerst detaillierten Corona-Präventionskonzepts und unter Ausschluss der Öffentlichkeit – allerdings mit Live-Stream – möglich. Alle Beteiligten absolvierten vor Betreten der Halle einen Corona-Schnelltest.

Für viele Gymnastinnen waren diese Umstände eine Herausforderung, aber eine ließ sich auch davon kaum aus der Ruhe bringen: Die Tirolerin Nicol Ruprecht verteidigt ihren Staatsmeistertitel aufs Neue und kann somit bereits 47 Goldmedaillen in der Eliteklasse ihr Eigen nennen. Sie holte sich heuer alle ersten Plätze: Mehrkampf, Teamwertung und alle vier Gerätefinali und ist somit seit 2013 ungeschlagen. Vizemeisterin wurde wiederholt Julia Meder (AT Graz) und das Podest komplettierte Leona Marchart (SU Wien). Die Eliteklasse fand ohne Vorarlberger Beteiligung statt, da sich Katharina Amann (TS Dornbirn) aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen trotz negativem Testergebnis in Quarantäne befand.

In den Juniorinnen-Klassen konnte Valentina Domenig-Ozimic ein ebenfalls beachtliches Ergebnis für sich verbuchen: Auch sie gewann die 5 Goldmedaillen des Mehrkampfs und der vier Finali. Die Vorarlbergerinnen Emma Starz und Chayenne Egle (beide TS Röthis) bewiesen Nervenstärke und konnten sich in gutem Licht präsentieren. Ohne große Fehler und mit durchwegs soliden Leistungen sicherte sich Starz den sehr guten 5. und Egle den 8. Rang, wodurch sich beide in den top-ten der Juniorinnen 1 befanden.

Das äußerst starke Starterfeld bei den Juniorinnen 2 machte es Janice Almberger (TS Röthis) fast unmöglich unter die ersten 10 zu kommen. Trotz eines gelungenen Wettkampfs erreichte sie „nur“ Rang 14. ÖFT-Generalsekretär Mag. Robert Labner formuliert die aktuelle Situation der österreichischen Nachwuchsszene wie folgt: „Immer mehr Vereine beschäftigen Profi-Trainerinnen aus Osteuropa, wo dieser Sport bekanntlich deutlich höheres Ansehen genießt als im Westen. Es soll in dem einen oder anderen Verein bereits Trainingseinheiten mit mehr Kindern mit russischer als deutscher Muttersprache geben. Das Ergebnis ist ein deutlicher Leistungssprung bei den Jüngsten, gepaart mit einem wahrnehmbaren Stilwechsel.“ Und diese Veränderungen bekamen auch die Gymnastinnen der Jugendklassen mit einem 72-köpfigen Starterfeld zu spüren.

Am gleichen Wochenende holten die Jugend-Gymnastinnen ihr Meisterschaft nach, die normalerweise im Juni stattfindet. Hier galten natürlich dieselben Auflagen wie für die älteren Gymnastinnen und es wurde besonders darauf geachtet, dass sich die Startergruppen so wenig wie möglich durchmischten. Gepaart mit regelmäßigem Reinigen und Lüften zog sich so alles zeitlich in die Länge, weshalb jeweils ein Gerät gestrichen wurde – außer in der Elite.

Das wiederum führte zum Beispiel bei den jüngsten Teilnehmerinnen dazu, dass alle Gymnastinnen, die Jahrgang 2011 geboren sind nicht an den heurigen Meisterschaften teilnehmen durften, sondern nur jene des Jahrgangs 2010. Aus Vorarlberger Sicht betraf das Aurelia Stropnik (SG Götzis) und Samira Dalpra (TS Röthis); Sophia Lampert (TS Röthis) musste verletzungsbedingt mit ihrem Debut bei den Staatsmeisterschaften ebenfalls auf nächstes Jahr warten. Was beim Studieren der Ergebnislisten wie gesagt besonders auffällt: die vielen "russischen" (& Co) Namen in den vorderen Teilen der Ergebnislisten. Denn die österreichische RG-Nachwuchs-Szene hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Umso erfreulicher sind dennoch die Ergebnisse:

In der Jugendklasse 3 – bei den Jüngsten – konnte vor allem eine extreme Nervenstärke beweisen: Der Wettkampf fand für diese Mädchen ungewohnt spät statt und sie konnten sich während der Küren selbst auf einer riesigen Leinwand live sehen, was einige aus dem Konzept brachte. Melia Oygur (TS Röthis) schaffte es mit äußerst sicheren und sauberen Übungen auf den ausgezeichneten 5. Gesamtrang. Anastasia Kalashnikova (TS Röthis)Aylin Oygur (TS Röthis) wurde 10. und Matilda Schuler (SG Götzis) erreichte den 15. Rang im 29-köpfigen Starterfeld.

Das Ergebnis der Kategorie Jugend 2 war ebenfalls sehr erfreulich: Melina Märk (TS Röthis) konnte sich trotz eines großen Verlusts in der Reifenkür den 5. Gesamtrang sowie den 4. Platz im Finale ohne Handgerät und die Goldmedaille im Ballfinale sichern. Giovanna Niederbacher holte sich mit einer guten und konstanten Leistung den 13. Rang und Leni Netzer (SG Götzis) platzierte sich knapp dahinter auf Rang 15. Der Wettkampf der Jugend 1 fand ohne Beteiligung der VTS-Gymnastinnen statt.

Landestrainerin Vesela Milanova, Betreuerin Angela Marchetti und Landesfachwartin Annires Marchetti sind mit den Leistungen der Gymnastinnen – vor allem unter diesen speziellen Umständen – zufrieden und vor allem glücklich darüber, dass die Meisterschaften ausgetragen wurden. Jede Wettkampferfahrung ist für die Gymnastinnen wertvoll und konkrete Ziele halten die Motivation der Mädchen aufrecht.

Die Gruppenstaatsmeisterschaft fällt heuer aus und daher bleibt es aktuell spannend wann und in welcher Form die nächsten Wettkämpfe stattfinden werden.

Alle Ergebnisse und Fotos gibt es auf www.oeft.at