10.12.2011 16:53 Alter: 6 yrs

STAATSMEISTERSCHAFT


Das Plakat der ÖM im Mattersburg mit Fotos von Barbara Gasser und Fabian Leimlehner.

Elisa Hämmerle und Fabian Leimlehner sind Mehrkampf-Staatsmeister. Trotzdem fährt Barbara Gasser mit Leimlehner zur Olympia-Qualifikation nach London.

Bericht der Mehrkampfbewerbe:

Zum Download der Ergebnislisten

Kein Duell um die Teilnahme an der entscheidenden Olympia-Qualifikation bei den Damen, eine eindeutige Sache bei den Herren: Elisa Hämmerle von der TS Jahn Lustenau und Fabian Leimlehner von der Union Lasberg (OÖ) sicherten sich am Freitag 9. Dezember in Mattersburg unangefochten die Mehrkampf-Staatsmeistertitel im Kunstturnen.

Da Titelverteidigerin Barbara Gasser (Vorarlberg) vor Ort erkrankt war, turnte sich WM-Teilnehmerin Elisa Hämmerle nach neun Juniorentiteln erstmals in der Meisterklasse spielend und elegant an die österreichische Spitze. Mit 52,100 siegte sie im Mehrkampf vor Katharina Fa (TSZ Dornbirn, 49.925, und der erstarkten Stephanie Dittert (48.575) von der Sportunion West Wien.

Die 53,15 Punkte, die Gasser schon vor zwei Wochen vorgelegt hatte, schaffte die Vorarlbergerin allerdings nicht: Ein Absturz vom Stufenbarren verdarb die Chance auf eine Teilnahme an der entscheidenden Olympia-Qualifikation im Jänner. Bundesfachwartin Katharina Wieser bestätigte denn auch, dass Barbara Gasser die Bedingungen für London im Januar erfüllt habe.

Hämmerle zufrieden: „Herausforderung bewältigt.“

Dennoch war Hämmerle zufrieden: „Die Staatsmeisterschaft war auf jeden Fall eine Herausforderung für mich, und ich bin, abgesehen von der Stufenbarrenübung, zufrieden. Vor allem habe ich die Balkenkür gut durchgestanden.“ Zur auffallend tänzerisch-eleganten und trotzdem sprungreichen Bodenübung sagt die neue Staatsmeisterin: „Wir achten sehr darauf, alle Übungsteile sauber auszuführen und uns gut zu präsentieren.“

Keinen Zweifel an seiner Dominanz im österreichischen Turnsport ließ der Weltcup-Recke Fabian Leimlehner. Er wurde zum fünften Mal Mehrkampfmeister. Mit seinen 84.050 Punkten verwies er Xheni Dyrmishi von der Wiener Sportunion Mariahilf (persönlicher Rekord 80.750) auf den zweiten und Matthias Schwab von der Sportgemeinschaft Götzis (80.000) auf Platz 3. „Unentschieden“ ging allerdings das Reck-Duell im Mehrkampf zwischen ihm und Marco Baldauf aus, letzterer trat nur an seinem Paradegerät an.

Restlos zufrieden war Leimlehner mit seinem Wettkampf nicht: „Man will immer mehr, doch meine Leistung war von den Punkten her gut. Ich habe bewiesen, dass ich würdig bin, Österreich bei der Olympia-Qualifikation in London zu vertreten. Bis dahin muss ich noch meine Übungen stabilisieren.“ Leimlehner hatte bei der Staatsmeisterschaft bewusst nicht sein WM-Programm geturnt, um nicht zu viel Risiko einzugehen.

Alle drei Juniorensiege nach Vorarlberg.

Bei den Junioren gingen alle drei Tagestitel (die Juniorinnen B starten am Sonntag) nach Vorarlberg. Bei den Junioren A siegte Michael Fussenegger von der Turnerschaft Hohenems mit deutlichem Abstand (79.500) vor Daniel Kopeinig (74.850) vom TV Wattens/T und EYOF-Teilnehmer Severin Kranzlmüller (74.700) von Jahn Linz Lustenau/OÖ. Besondere Leckerbissen waren die Sprünge der drei Erstplatzierten, alle sicher gestanden und mit 14,200 bzw. 14,250 denkbar eng beisammen. Fussenegger turnte an vier Geräten die beste Übung, musste sich nur am Sprung von Kopeinig und am Reck von Alexander Burtscher (TS Satteins/V) geschlagen geben und qualifizierte sich für alle sechs Finali.

Bei den Juniorinnen A siegte die Favoritin: Nachwuchstalent Olivia Jochum vom Turnsportzentrum Dornbirn bewies trotz Abstiegs vom Balken und  eines verturnten Katchevs am Stufenbarren ihre Klasse, nicht umsonst war sie heuer EYOF-Finalistin. Am Boden zeigte sie große Reife und Sprungkraft. Mit Gesamtnote 48.950 verwies sie Eileen Lamprecht von der TS Jahn Lustenau/V (48.050) und Jessica Stabinger (45.950) vom Innsbrucker Turnverein auf die Plätze.

Die Junioren B sahen ebenfalls einen Vorarlberger Doppelsieg mit Fabio Sereinig von der TS Wolfurt (67.700) und Benedikt Melchhammer von der TS Rankweil (66.050). Auf Platz 3 Mario Strohmeier vom Turnverein Salzburg-Maxglan (65.750).

Die Staatsmeisterschaften im Kunstturnen werden am Sonntag Nachmittag in der Sporthalle Mattersburg mit den Gerätefinali abgeschlossen.

Bericht der Finalwettkämpfe:
Leimlehner mit vier Gerätetiteln der „Final-König“ der Staatsmeisterschaft.

Die Finalkämpfe für Meister- und Juniorenklassen bei den Österreichischen Kunstturn-Staatsmeisterschaften in Mattersburg am Samstag, 10. Dezember zeigten ein hohes Niveau. Vielfach wurden die Leistungen der Mehrkämpfe vom Vortag noch verbessert.

Dabei gab es sowohl Favoritensiege – vier Staatsmeisterschaftstitel für den Oberösterreicher Fabian Leimlehner (Reck, Pauschenpferd, Barren, Ringe), je zwei für die Vorarlbergerin Elisa Hämmerle (Balken, Boden) und die Tirolerin Jasmin Mader (Stufenbarren, Sprung), drei Juniorentitel für Vorarlbergs Michael Fussenegger -, als auch Überraschungen, die zu einer Verteilung der Titel über mehrere Bundesländer führten.

Den Sieg im Reck-Duell zwischen Fabian Leimlehner und Altmeister Marco Baldauf entschied erster für sich, nachdem beide am Samstag noch punktegleich geturnt hatten. Mit 14.800 zu 14.350 waren die Fronten der Reck-Konkurrenten geklärt. Weitere Finalsiege gingen an den Wiener Julian Egermann (Sprung) und den Tiroler Alexander Leidlmeier (Boden). Bei den Frauen entschied Mehrkampfmeisterin Elisa Hämmerle auch den Balken und Boden für sich, während sich Jasmin Mader aus Tirol den Sprung- und Stufenbarrensieg holte.

Alle männlichen Junioren-Gerätetitel wanderten nach Vorarlberg: Michael Fussenegger mit Sprung, Ringen und Pauschenpferd, Alexander Burtscher am Reck und die auffallenden Nachwuchstalente Paul Hagen (ex aequo mit Daniel Kopeinig, Tirol) am Barren und Dirk Kathan am Boden lassen das westliche Bundesland hoffnungsfroh in die Turn-Zukunft sehen.

Bei den Juniorenmädchen holte sich Mehrkampfmeisterin Olivia Jochum (Vorarlberg) auch die Finalsiege am Stufenbarren und Boden, während der absturzreiche Balken eine Beute der Langenzersdorferin Bianca Frysak wurde und mit Sarah Zimmer eine zweite Wienerin den Sprung-Finaltitel in die Hauptstadt holte.

Zufriedene Resümees der sportlich Verantwortlichen:

ÖFT-Sportdirektorin Katharina Wieser zu den Frauenbewerben: „Es war ein sehr zufrieden stellender Spitzenwettkampf. Der Jahrgangsmix breiter geworden und wieder eine kontinuierliche Weiterentwicklung festzustellen. Das nächste Ziel ist die olympia-Qualifikation im Jänner, dann ein gutes Team für die EM. Bei den Juniorinnen hat Vorarlberg einen spürbaren Vorsprung. Andere Bundesländer hatten allerdings unter Verletzungspech zu leiden. Auch die B-Stufen-Turnerinnen steigerten ihr Niveau steigern. Zahlenmäßig gab es hier buchstäblich eine Explosion.“

Christine Frauenknecht, Vorarlbergs Landestrainerin: „Die Staatsmeisterschaft verlief für uns sehr erfolgreich. Jasmin Mader war heuer unsere einzige ernst zu nehmende Konkurrentin. Vor allem der Nachwuchs ist eindeutig vorarlberg-lastig. Auf Dauer ist zu wünschen, dass die anderen Bundesländer rasch wieder aufholen. Das wäre aus internationaler Sicht wichtig.“

Petr Koudela, Nationaltrainer Herren: „Das Niveau speziell der Finali war super. Im Nachwuchs wächst das Niveau besonders deutlich.“

Dieter Egermann, Bundesfachwart: „Ich bin mit den Leistungen bei dieser Staatsmeisterschaft sehr zufrieden, es gab wenige Fehler. Auch keine großen Überraschungen, am ehesten der Mehrkampf-Vizestaatsmesitertitel von Xheni Dirmishi. Ein großes Augenmerk gebührt den Junioren. Petr Koudela und Vorarlbergs Landestrainer Lubomir Matera leisten hier wirklich gute Arbeit.“

Die Qualifikationschancen für Olympia 2012 von Fabian Leimlehner schätzen sowohl Egermann als auch Koudela positiv ein. Egermann: „Wenn er so turnt wie diese zwei Tage, schafft er es.“ Und Petr Koudela erhofft für seinen Schützling in London nur noch „Glück, denn vom Niveau her müsste er die Qualifikation schaffen“.
Text: Doris Rinke