07.12.2012 17:18 Alter: 5 yrs

TANZHAUS HOHENEMS


Das "Tanzhaus" ist ein Projekt der TS Hohenems und der Lebenshilfe Vorarlberg.

Das „Tanzhaus“ der TS Hohenems und der Lebenshilfe ist ins Träumen geraten. Nicht, dass die „Inklusion“ von Menschen mit Behinderungen ein Traum wäre, nein, diese ist im Tanzhaus seit fünf Jahren vollzogen. Vielmehr heißt die dritte öffentliche Performance „(t)räume“. Vor ausverkaufter Kulturbühne am Bach in Götzis traumtanzten am 15. November 37 Tänzerinnen der Turnerschaft und Menschen mit Behinderungen und verzauberten das Publikum.

Britta Hafner und Liba Selner kennen sich seit 2007, betreuen seither mit ihrem Tanzensemble das Projekt „Tanzhaus“, eines der elf Angebote der TS Hohenems, und erarbeiten auch gemeinsam die Choreografien. Sie ist übrigens die einzige Turnerschaft im Fachverband ÖFT mit solch einem Projekt. Mittlerweile gibt es schon eine zweite Gruppe im Tanzhaus, alle zwei Wochen wird zusammen trainiert.

Die öffentlichen Performances sind eine Herausforderung, müssen doch Choreografie, Übungen, Bewegung, Ausdruck, Freude, ein bisschen Clownerie auch einstudiert und gefestigt werden. Und die Aufregung, vor vollem Haus vorzuführen, ist auch nicht zu unterschätzen.

Beschrieb die erste Performance 2008 den Tagesablauf der Menschen mit und ohne Behinderung, so war zwei Jahre später das Abendprogramm „ICH.DU.WIR“ die vertiefende Übung des getanzten täglichen Lebens. Das dritte Motto „Tanz öffnet die Räume zu den Träumen“ wurde vom Leading Team ebenso wie von den begeistert Mitwirkenden berührend umgesetzt: die Tänzerinnen schweben, nehmen ihre behinderten Mitmenschen an der Hand, flirten, lachen, lächeln. Erstaunlich, wie sich die jungen Menschen mit unterschiedlichen geistigen und Mehrfach-Behinderungen im Ausdruck an die TS-Tänzerinnen angepasst haben, wie sie geschmeidig geworden sind und das Programm fehlerfrei durchtanzen. Schauspielerische Begabungen verstecken sich in so manchem verschmitzten Tänzer, Ernst, Freude und Konzentration sind spürbar, werden leicht über die Bühne getragen. Britta Hafners Ideen, auch Versatzstücke und Handgeräte, etwa Bambusstäbe, Tücher, Bänke phantasievoll einzubeziehen, erinnern an ihre Gymnaestrada-Choreografien und machen so den Begriff „Turnen für alle“ zu einer umspannenden Realität in unserer Bewegungswelt über alle Unterschiede und körperlichen Voraussetzungen hinweg. Die Bildprojektionen und Video-Takes aus dem Hohenemser Stadtbild (Ivo Selner) verbinden die Szenen und lassen im Hintergrund Zeit zum Kostümwechsel.

Langanhaltender Applaus des Publikums, darunter Landtagspräsidentin Gabriele Nußbaumer und VTS-Präsidentin Monika Reis, und strahlende Akteure bildeten den Abschluss eines berührenden Abends, an dem das „Tanzhaus“ zeigte, wie traumhaft vielfältig Turnen ist. (Text: dor)
(DVD/18.- € und Blue Ray 25.- € bei ivo.selner(at)web.de